Chips und Wein, das lasse sein…

oder:

Was hat das Holz im Wein zu suchen?

Es war einmal vor langer Zeit, da beabsichtigte ein erfahrener und äusserst bekannter Winzer, nennen wir ihn der Einfachheit halber Robert, seine Weine in Zukunft einfacher und günstiger zu produzieren.

Natürlich kamen ihm bei diesem wirtschaftlich nachvollziehbaren Thema sofort die Personalkosten in den Sinn. Da er aber niemanden entlassen wollte und konnte, sah er sich in seinem Weinkeller um, und da fielen ihm die schönen neuen Barriquefässer aus bestem französischem Eichenholz auf. Die Lieferung dieser Fässer lag noch nicht allzu lange zurück, und so wusste er noch allzu gut, dass jedes einzelne dieser hölzernen Schmuckstücke sehr teuer gewesen war.

Unser Sparfuchs überlegte sich also, ob er vielleicht zukünftig auf diese teuren Holzfässer verzichten sollte, und stattdessen die Weine in alternative Behältnisse, wie die sich bereits im Gebrauch befindlichen grossen Stahltanks, zu füllen. Diese waren nicht nur gross und es passte viel mehr Wein rein, sondern sie waren auch einfacher zu reinigen und günstiger im Unterhalt.

Also eigentlich soweit alles gut.

Dummerweise schätzten Roberts Kunden den Geschmack von frischem Eichenholz im Wein ganz besonders, und so befand sich unser Winzer in einem nicht zu unterschätzenden Dilemma. Da Robert eben ein ganz Schlauer war, wusste er sich schnell zu helfen, und zerkleinerte einfach ganz viele schöne Eichenbretter zu kleinen Holzchips, röstete diese wie fische Kaffeebohnen und gab dann das Ganze in kleinen Mengen in seine grossen, mit Wein gefüllten Stahltanks.

Nach einigen Wochen roch und schmeckte der Wein so, als ob er frisch aus dem Holzfass käme, und so hatte Robert einen günstig produzierten Wein mit Holzgeschmack in grossen Mengen, ohne dafür zuerst Zehntausende von Euros bezahlen zu müssen. Lediglich der wichtige Reifeprozess, den Wein üblicherweise in den kleinen oder grossen Holzfässern durchläuft, blieb dabei leider auf der Strecke. Aber, sagte sich unser Schlaumeier, wo gehobelt wird, fallen eben Späne, und man kann nicht alles haben. Dafür war der Wein jetzt günstiger zu haben und er roch wenigstens nach hoher Qualität. Als allerdings seine Kunden nach einiger Zeit durch Zufall von seiner neuer Vinifikationstechnik erfuhren, schrien sie natürlich sofort «Betrug».

Robert hatte sich vorher jedoch gut informiert und abgesichert, und konnte seinen besorgten Kunden guten Gewissens mitteilen, dass diese Art der Aromatisierung von Wein unter gewissen Umständen weltweit seit 2006 erlaubt ist (auch in der Schweiz).

Und für diejenigen seiner Kunden, die einen im Barrique ausgebauten und gereiften Wein wollten, hatte er ja immer noch seine echten Fässer. Und die wurden auch bei jeder Kellerführung stolz präsentiert.

Und die Moral von der Geschichte ist:

Nicht jeder nach Holzfass duftende Wein wurde auch im selbigen gelagert.

Wenn jedoch auf dem Etikett oder in den Produktionsbestimmungen der meisten Weine Begriffe wie zb. Holzfass, Barrique, Reserva oder Gran Reserva vermerkt sind, muss der Wein auch im Fass gelagert worden sein. Der Wein war also im Holzfass und nicht umgekehrt.

In diesem Sinne zum Wohl

Ihr Stefan Hofer und das Genussteam

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