Von Tavernen zu Tinkturen
Die Geburtsstunde der Barkultur
Hinter jeder perfekt Margarita steckt eine jahrtausendealte Geschichte. Wer heute an einer Bar sitzt, nimmt an einer Tradition teil, die sich von den staubigen Wegen der Antike bis zu den glitzernden Tresen von New York entwickelt hat.Wo entstand die erste Bar?
Der Ursprung der Bar liegt in der Sumerischen Zivilisation (ca. 4000 v. Chr.), wo Frauen in sogenannten „Ale-Houses“ Bier brauten und ausschenkten. Doch die Bar, wie wir sie heute kennen – mit einem Tresen als physische Barriere –, entwickelte sich erst viel später. Die älteste noch bestehende Bar der Welt (im Sinne eines lizenzierten Ausschanks) gilt oft als Sean’s Bar in Irland, die bis ins Jahr 900 n. Chr. zurückreicht. Der Begriff „Bar“ selbst etablierte sich im 18. Jahrhundert in England und Amerika: Der Tresen (die „Barre“) diente dazu, die wertvollen Alkoholvorräte vor den Gästen zu schützen und gleichzeitig eine Arbeitsfläche für den Wirt zu schaffen.Was war der erste Cocktail?
Das Wort „Cocktail“ wurde erstmals 1806 im Magazin The Balance and Columbian Repository definiert als: „Ein stimulierendes Getränk aus Spirituosen jeglicher Art, Zucker, Wasser und Bitters.“Dieser Ur-Cocktail ist das, was wir heute als Old Fashioned kennen. Vor dieser Definition trank man meist „Punch“ (Punsch) aus grossen Schüsseln, der bereits im 17. Jahrhundert von Seeleuten der British East India Company populär gemacht wurde. Der Cocktail markierte den Übergang zum individuellen, frisch für den Gast zubereiteten Getränk.
Seit wann wird „geshaked“?
Bevor Metallbecher zum Standard wurden, rührte man Drinks oder goss sie zwischen zwei Bechern hin und her („Throwing“). Der Cocktail-Shaker tauchte Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Der Vorläufer: Man nutzte zwei verschieden grosse Gläser, die man ineinanderschob – die Geburtsstunde des Boston Shakers. Das erste offizielle Patent für einen vierteiligen Shaker wurde 1872 von William Harnett in New York angemeldet. Das Shaken wurde populär, um Zutaten wie Zucker, Eiweiss oder Säfte effizient mit dem Alkohol zu verbinden und den Drink blitzschnell eiskalt zu servieren.Der Vater der Mixologie: Jerry Thomas
Kein historischer Rückblick ist vollständig ohne Jerry „The Professor“ Thomas. Er veröffentlichte 1862 mit „How to Mix Drinks“ das erste echte Barbuch. Er war es auch, der das Bartending zur Unterhaltung machte: Sein Signature-Drink, der „Blue Blazer“, bei dem er brennenden Whiskey zwischen zwei Bechern hin und her goss, war das erste dokumentierte „Flair Bartending“.Vom Überlebenskampf zur Renaissance
Prohibition (1920–1933): In den USA wurde Alkohol illegal. Bartender flohen nach Europa (vor allem Paris und London) und brachten die amerikanische Cocktailkunst in die Welt.Die Zukunft: Heute erleben wir eine „Rückbesinnung“. Bartender nutzen moderne Techniken (wie Vakuumdestillation), um die klassischen Aromen des 19. Jahrhunderts präziser denn je zu reproduzieren.